Soll ich meine Elternzeit in der Bewerbung erwähnen?
Diese Frage beschäftigt viele Mütter und Väter, die nach der Elternzeit wieder ins Berufsleben einsteigen möchten. Aus Sorge vor Nachteilen lassen manche ihre Elternzeit im Lebenslauf weg oder versuchen, sie mit Begriffen wie Familienphase oder berufliche Auszeit zu umschreiben.
Unsere Empfehlung ist eindeutig: Stehe selbstbewusst zu deiner Elternzeit.
Sie ist ein ganz normaler Teil deines Lebens und kein Makel. Viel wichtiger als die Elternzeit selbst ist die Frage, wie du sie in deine Bewerbung integrierst. Der Fokus sollte immer auf deiner Berufserfahrung, deinen Qualifikationen und deinem Mehrwert für das Unternehmen liegen.
In diesem Artikel zeigen wir dir sechs Möglichkeiten, deine Elternzeit professionell in die Bewerbung einzubauen. Dazu erhältst du konkrete Formulierungsbeispiele, die jeweiligen Vor und Nachteile sowie Tipps, wann sich welche Variante eignet.
Du bist unsicher, wie dein kompletter Lebenslauf aussehen sollte? Dann empfehlen wir dir unseren Artikel Lebenslauf schreiben, in dem wir Schritt für Schritt erklären, wie ein moderner Lebenslauf aufgebaut ist.
1. Elternzeit als eigene Station im Lebenslauf
Die einfachste und transparenteste Lösung ist eine eigene Station im Lebenslauf.
Beispiel
03/2024 bis 08/2026
Elternzeit
Vorteile
- transparent
- keine unerklärte Lücke
- Recruiter erkennen den Zeitraum sofort
Nachteile
- die Elternzeit wird als eigene Station sichtbar
Wann eignet sich diese Variante?
Wenn deine Elternzeit zwischen zwei Arbeitsverhältnissen liegt oder du dich bewusst bei familienfreundlichen Unternehmen bewirbst.
2. Elternzeit unter der letzten Position ergänzen
Warst du während deiner Elternzeit weiterhin bei deinem Arbeitgeber angestellt, kannst du die Elternzeit direkt unter deiner letzten Position ergänzen.
Beispiel
Marketing Managerin | Muster GmbH
01/2021 bis heute
- Entwicklung der Marketingstrategie
- Budgetverantwortung
- Führung eines Teams
03/2024 bis 08/2026: Elternzeit
Vorteile
- deine Berufserfahrung steht im Mittelpunkt
- dein Karriereverlauf wirkt besonders kontinuierlich
Nachteile
- funktioniert nur, wenn dein Arbeitsvertrag während der Elternzeit weiterbestand
Wann eignet sich diese Variante?
Wenn deine Elternzeit aus einem bestehenden Arbeitsverhältnis heraus erfolgte.
3. Im Kurzprofil erwähnen
Viele moderne Lebensläufe beginnen mit einem Kurzprofil. Auch dort kannst du deinen Wiedereinstieg dezent erwähnen.
Beispiel
Marketing Managerin mit fünf Jahren Erfahrung im Performance Marketing. Nach meiner Elternzeit freue ich mich darauf, meine Erfahrung und neue Impulse in einem innovativen Unternehmen einzubringen.
Vorteile
- persönlicher Einstieg
- positiver Bezug zum Wiedereinstieg
Nachteile
- rückt die Elternzeit stärker in den Fokus
Wann eignet sich diese Variante?
Wenn du ohnehin mit einem Kurzprofil arbeitest und deinen Wiedereinstieg bewusst thematisieren möchtest.
4. Weiterbildungen während der Elternzeit hervorheben
Wenn du die Elternzeit genutzt hast, um dich fachlich weiterzuentwickeln, solltest du das unbedingt zeigen.
Beispiel
Weiterbildungen
- Google Analytics Zertifikat
Während der Elternzeit
- KI im Marketing
- Scrum Basics
- LinkedIn Learning
So liegt der Fokus nicht auf der Unterbrechung, sondern auf deiner Weiterentwicklung.
Vorteile
- zeigt Eigeninitiative
- betont deine Lernbereitschaft
- wertet längere Elternzeiten auf
Nachteile
- funktioniert nur, wenn du tatsächlich Weiterbildungen absolviert hast
Wann eignet sich diese Variante?
Wenn du die Elternzeit aktiv für deine berufliche Entwicklung genutzt hast.
5. Kompetenzen im Anschreiben einbauen
Im Anschreiben solltest du nicht deine Elternzeit erklären. Viel spannender ist, welche Kompetenzen du in dieser Zeit weiterentwickelt hast.
Beispiel
Neben meiner mehrjährigen Berufserfahrung habe ich während meiner Elternzeit meine Organisationsfähigkeit, mein Zeitmanagement und meine Fähigkeit, Prioritäten zu setzen, weiterentwickelt. Diese Kompetenzen möchte ich nun gewinnbringend in Ihr Unternehmen einbringen.
Vorteile
- zeigt persönlichen Mehrwert
- verbindet Persönlichkeit und Beruf
Nachteile
- sollte authentisch bleiben und zur Stelle passen
Wann eignet sich diese Variante?
Wenn die genannten Kompetenzen für die ausgeschriebene Position relevant sind.
6. LinkedIn nutzen
Nicht jede Information muss ausschließlich im Lebenslauf stehen.
LinkedIn bietet mit Career Break eine eigene Vorlage für berufliche Auszeiten. Diese ist international verständlich und wird von vielen Recruiterinnen und Recruitern genutzt.
Vorteile
- professioneller Standard
- international verständlich
- schafft Transparenz
Nachteile
- nicht alle Personalverantwortlichen schauen zuerst auf dein LinkedIn Profil
Wann eignet sich diese Variante?
Wenn du LinkedIn aktiv für deine Jobsuche nutzt oder dich international bewirbst.
Elternzeit oder Familienphase?
Immer wieder lesen wir Begriffe wie Familienphase, berufliche Auszeit oder private Auszeit.
Unsere Empfehlung lautet: Nenne sie einfach Elternzeit.
Der Begriff ist etabliert, transparent und vollkommen normal. Andere Formulierungen wirken häufig eher wie der Versuch, die Elternzeit zu verstecken.
Unser wichtigster Bewerbungstipp
Die Frage sollte nicht lauten, wie du deine Elternzeit möglichst unauffällig machst.
Die bessere Frage lautet:
Wie schaffe ich es, dass meine Qualifikationen stärker im Mittelpunkt stehen als meine Elternzeit?
Eine transparent genannte Elternzeit ist heute für die meisten Recruiterinnen und Recruiter völlig normal. Entscheidend sind deine Erfahrung, deine Motivation und der Mehrwert, den du für das Unternehmen mitbringst.
Die Elternzeit ist nur ein kleiner Teil deiner Bewerbung. Entscheidend ist, dass du einen Arbeitgeber findest, der deine Qualifikation schätzt und zu deinem Leben passt. Wenn du gerade auf Jobsuche bist, helfen dir auch unsere 10 Tipps für Frauen bei der Jobsuche dabei, passende Arbeitgeber zu finden und selbstbewusst in den Bewerbungsprozess zu starten.
Häufige Fragen zur Elternzeit in der Bewerbung
Du bist unsicher, wie du deine Elternzeit im Lebenslauf, Anschreiben oder Vorstellungsgespräch erwähnen solltest? Hier findest du klare Antworten, konkrete Beispiele und passende weiterführende Tipps.
Sollte ich meine Elternzeit im Lebenslauf angeben?
Nein. Es gibt keine gesetzliche Pflicht, Elternzeit im Lebenslauf anzugeben. Elternzeit ist auch keine Lücke im Lebenslauf, sondern ein normaler Bestandteil vieler beruflicher Werdegänge.
Wenn du sie nicht nennst, kann allerdings ein unerklärter Zeitraum entstehen. Überlege dir deshalb gut, ob du bei einem Arbeitgeber arbeiten möchtest, der dich wegen deiner Elternzeit aussortiert. Ein moderner Arbeitgeber bewertet deine Qualifikation, deine Erfahrung und deinen Mehrwert.
Weitere Tipps zum Aufbau und zur Formulierung findest du in unserem Artikel Lebenslauf schreiben.
Welche Soft Skills kann ich im Zusammenhang mit meiner Elternzeit erwähnen?
Elternzeit ist für viele Eltern wie ein Bootcamp für die persönliche Weiterentwicklung. Häufig entwickeln sich Zeitmanagement, Organisation, Priorisierung, Projektmanagement, Kommunikation und Stressmanagement weiter.
Entscheidend ist, dass du nicht einfach eine Liste von Soft Skills übernimmst. Nenne nur Fähigkeiten, die wirklich zu dir passen, und stelle einen konkreten Bezug zur ausgeschriebenen Position her.
Sollte ich Weiterbildungen während der Elternzeit im Lebenslauf erwähnen?
Ja. Weiterbildungen und Zertifikate können zeigen, dass du dich während der Elternzeit fachlich weiterentwickelt hast. Trenne dabei den allgemeinen Abschnitt Weiterbildungen und den Hinweis auf den Zeitpunkt klar voneinander.
Zum Beispiel: Weiterbildungen, darunter Google Analytics Zertifikat, anschließend der Zusatz Während der Elternzeit und darunter KI im Marketing.
Sollte ich ehrenamtliche Tätigkeiten im Rahmen meiner Elternschaft erwähnen?
Ja. Ob Elternbeirat im Kindergarten, Organisation eines Fußball Sommerfestes, Vereinsarbeit oder andere Projekte: Solche Tätigkeiten können deinen Lebenslauf sinnvoll ergänzen.
Sie zeigen Engagement, Verantwortungsbewusstsein und Organisationsfähigkeit. Besonders relevant sind sie, wenn sie einen Bezug zu den Anforderungen deiner Wunschposition haben.
Wann erwähne ich die Elternzeit im Vorstellungsgespräch?
Wenn du die Elternzeit nicht im Lebenslauf aufgeführt hast, kannst du sie im Vorstellungsgespräch natürlich in deine berufliche Entwicklung einbauen. Ein guter Zeitpunkt ist die Frage nach deinem bisherigen Werdegang oder danach, warum du gerade jetzt einen neuen Job suchst.
Zum Beispiel: „Meine Elternzeit war ein wichtiger Teil meiner persönlichen Entwicklung. Jetzt freue ich mich darauf, meine bisherige Berufserfahrung wieder voll einzubringen und den nächsten beruflichen Schritt zu gehen.“
Weitere konkrete Tipps findest du in unserem Artikel Vorstellungsgespräch als Mama.
Elternzeit oder Familienphase: Welche Formulierung ist besser?
Nenne sie einfach Elternzeit. Der Begriff ist etabliert, transparent und vollkommen normal. Formulierungen wie Familienphase oder berufliche Auszeit wirken häufig eher wie der Versuch, die Elternzeit zu verschleiern.
Viel wichtiger ist, dass der Fokus deiner Bewerbung auf deinen Qualifikationen, Erfolgen und deiner Motivation liegt.
Wie gelingt der Wiedereinstieg nach der Elternzeit?
Ein erfolgreicher Wiedereinstieg beginnt bei der Auswahl des passenden Arbeitgebers. Achte auf flexible Arbeitsmodelle, familienfreundliche Strukturen, realistische Entwicklungsmöglichkeiten und eine Unternehmenskultur, die zu deinem Leben passt.
Weitere Anregungen findest du in unserem Artikel Jobsuche für Frauen: 10 Tipps.

