Was würde die Gesellschaft mit der 41-Stunden-Woche erreichen: Mehr Produktivität? Oder doch nur mehr Erschöpfung?
Nachdem der angeblich mangelnde Leistungswille der deutschen Arbeitnehmer derzeit das Lieblingsthema der CDU zu sein scheint, meldet sich jetzt auch Markus Söder von der CSU mit einem konsequent gewagten Vorschlag: Er würde die Wochenarbeitszeit gerne auf 41 Stunden erhöhen – auch um dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken. Das würde seiner Meinung nach die Wirtschaft enorm ankurbeln und wäre für die einzelnen Arbeitnehmer:innen kein großes Opfer. Ihm widerspricht hier die Forschung jedoch ganz klar.
Bringt eine längere Arbeitswoche wirklich wirtschaftliche Vorteile?
Auf den ersten Blick klingt es logisch: Mehr Stunden bedeuten mehr Output.
Doch Forschung und Unternehmenspraxis zeigen ein deutlich komplexeres Bild: Menschen sind keine KI oder Roboter, die über viele Stunden hinweg ohne Qualitätsverlust dieselbe Leistung erbringen können. Tatsächlich folgt die Leistung eher einer umgedrehten U-Kurve, in der ab einem bestimmten Zeitraum Produktivität und Effizient abnehmen, das ergibt beispielsweise ein Forschungsergebnis aus Südkorea.
Also: Wie viele Stunden können Menschen tatsächlich produktiv arbeiten?
Studien und Arbeitspsychologie legen nahe: Die meisten Menschen schaffen pro Tag nur etwa 4 bis 6 Stunden echte konzentrierte Wertschöpfung.
Durch die höhere Fehleranfälligkeit ist die Gesamtproduktivität bei mehr als 40 Wochenstunden oft deutlich niedriger. Diese Zahlen variieren je nach Alter: so nimmt die Zeitspanne für echte Produktivität mit zunehmendem Alter ab.
Mehr Arbeitszeit bedeutet nicht automatisch mehr Leistung.
Die Studien zeigen: ab ca. 40 Stunden/Woche steigen nachweislich: Fehleranfälligkeit, mentale Erschöpfung, Krankheitsrisiko, Unfälle & Fehlentscheidungen. Folgt man diesen Werten wird klar: das klingt eher nach Wirtschaftsschädigung als Wirtschaftswachstum.
Die zusätzliche Stunde wird somit oft zur „teuersten Stunde“. Soziologe Prof. Dr. Olaf Struck, Inhaber der Professur für Arbeitswissenschaft an der Universität Bamberg folgert daraus: „Forderungen nach höherer Arbeitszeit sind unsinnig, um dem Fachkräftemangel zu begegnen.“

Wie erfolgreich funktionieren Unternehmen mit weniger Arbeitszeit?
Beispiele wie ein Projekt aus Island aus den Jahren 2015 und 2019 oder ein Experiment zur Vier-Tage-Woche in Großbritannien aus 2022 zeigen:
- Produktivität bleibt stabil oder steigt
- Mitarbeitende sind zufriedener
- Stress und Burnout sinken
- Unternehmen reduzieren ineffiziente Prozesse
Unternehmen, die in Pilotprojekten mit der 4-Tage-Woche oder 35h-Vollzeit experimentiert haben, finden das Modell oft so erfolgreich, dass sie es dauerhaft einführen. Im Beispiel des UK-Experiments wollten 92 Prozent der teilnehmenden Unternehmen die reduzierte Arbeitszeit beibehalten. Sie gaben an, dass sie ihre Produktivität mit dem neuen Arbeitszeitmodell halten oder sogar steigern konnten. Weitere Studien zur 4-Tage-Woche zeigten außerdem: Die reduzierten Arbeitszeiten führten teils zu 65 Prozent weniger Krankentagen bei stabiler oder gestiegener Produktivität.
Es zeigt sich immer wieder: Anwesenheit ist nicht gleich Produktivität. Und modernes Arbeiten funktioniert nicht mit überholten Ideen. Förderrn würde eine 41-Stunden-Woche vermutlich nur die Ausgaben der Krankenkassen.
Was ist eure Meinung dazu? Wäre die 41h-Woche ein Wachstumsmotor oder eher eine Leistungsbremse?

